Tanz der Birkhähne!
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Tanz der Birkhähne!

Die Gemeinschaftsbalz der Birkhähne im Frühjahr gehört zu den eindrucksvollsten Schauspielen. Bereits ab April, wenn in den Bergen noch viel Schnee liegt, finden sich die Birkhähne auf den traditionellen Balzplätzen ein. Lange vor Sonnenaufgang sind in der klirrenden Kälte die ersten Kullerstrophen zu hören. Jeder Hahn verteidigt eine kleine Fläche in der Arena und versucht sich dort möglichst wirkungsvoll zur Schau zu stellen. Nach der Paarung kümmern sich die Hähne weder um den Nestbau noch um die Brutpflege.

Die Annäherung an dieses Schauspiel erfolgt bei mir in absoluter Dunkelheit. Das heisst, dass der Wecker vor 05.00 Uhr klingelt. Noch funkeln die Sterne am Himmel. Aber für Nachtaufnahmen bleibt mir keine Zeit. Ich muss schliesslich vor den Birkhähnen an ihrem Balzplatz sein! Im Licht der Stirnlampe gelingt mir das auch. – Aber jetzt heisst es ausharren. Bis zum Tagesanbruch. Im Gegensatz zu den richtigen Profis bewege ich mich ungetarnt im freien Gelände. Die meisten Wildlife Fotografen benützen ein Tarnzelt, oder bauen sich ein Versteck. – Ich verstecke mich hinter einer kleinen Tanne und rühre mich also nach Möglichkeit nicht mehr vom Fleck! – Klar, dass mir die Füsse einschlafen, dass ich manchmal auch die Kälte zu spüren bekomme. Mit dem zunehmenden Tagesanbruch höre ich bereits die ersten Laute, das erste Gurren. Sehen kann ich sie noch nicht. Aber das Licht wird zunehmend heller, so dass ich die ersten Hähne sehen kann. Noch reicht das Licht bei weitem nicht aus, um eine Aufnahme zu machen. Ich muss mich gedulden. Da hoppelt dann auch mal noch ein Schneehase vorbei… – aber keine Chance ihn zu fotografieren!

Und dann schlägt das erste Licht auf den Gipfeln der Viertausender an. Ein wunderschöner Moment. Aber ich will Wildlife Aufnahmen machen! Da bleibt keine Zeit, auch noch den superschönen Tagesanfang festzuhalten. Schliesslich bin ich wegen den Birkhähnen da! Und plötzlich geht es los! Ich sehe sie… – sie kommen… – sie fliegen! – Nicht nur ein einzelnes Exemplar. Ich zähle ein Dutzend oder mehr! – Ich darf mich kaum bewegen. Sonst sind sie alle schnell weg. Die ersten Aufnahmen werden gemacht. Mit sehr hohen Isozahlen. Mehr als „Beweisaufnahme“. Dann braucht es ja auch noch eine schnelle Verschlusszeit, weil Action angesagt ist. Wenn ich Glück habe, dann balzen sie bis zum eintreffenden Sonnenlicht. Ein Idealfall, welcher manchmal auch eintrifft. Manchmal eben auch nicht. Ich unterliege der Faszination des Schauspiels…! Ob die Aufnahmen was geworden sind, werde ich später auf meinem Computer feststellen. Egal. – Ich lebe den Moment! In freier Natur. Allein auf weiter Flur. Nur ich kann gerade jetzt dieses Ereignis live erleben. Ein erhabener Moment!

Ich bin sehr bedacht darauf, diese wunderbaren Kreaturen nicht zu stören! Zu sensibel ist deren Umgebung in der Natur! – Ich warte, bis sie selbst ihr Treiben abbrechen. Denn urplötzlich sind sie alle weg. Fliegen in den schützenden Wald zurück. Mir bleibt die Hoffnung auf einige gelungene Aufnahmen und die Tatsache, dass ich einer der wenigen Menschen bin, die dieses Ereignis mittlerweile über einige Jahre verfolgen und erleben durfte…

Da kommt, wie immer Demut auf! Danke Mutter Natur!

April 2020 – Speedy Füllemann

Comments (2)

  1. Fritz Moser says Mai 15, 2020 at 12:28

    Sälü Peter,
    wunderbare Aufnahmen hast du gemacht. Bin das erste mal auf deiner Seite.
    Eindrucksvoll !!
    Häb e guete Zyt u gueti Gsundheit.

    Ehemaliger Hockeykollege
    Aus Thun

    • Speedy says Mai 18, 2020 at 20:27

      danke! freut mich wenn’s gefällt! Gruess us em Gletscherdorf – Speedy

Kommentare